Freitag, 25. Juli 2014

25.07-29.07: Lombok - Mt. Rinjani: Der Vulkan ruft!

Rauf auf’s Boot und hinueber nach Bangsal auf Lombok. Das Festland ist erreicht. Wir werden abgepasst und in eine Cimodo verladen. Der Gaul schleppt uns keuchend bis zum naechsten ATM. Uns, dass sind Isa, Manu und die Botschafterin der amerikanischen Grossartigkeit, Subartha, die uns die naechsten Tage begleiten wird. Was wir fuer eine Ausruestung mit auf den Rinjani nehmen, fragt sie. Wanderschuhe, Softshell- und Regenjacken, Trekkinghosen und was weiss der Geier nicht alles fuer nuetzliche Annehmlichkeiten, die einem den Aufstieg auf ueber 3700m versuessen. Wie sie denn ihren Koffer gepackt habe, fragen wir sie. “Ich habe Flipflops und… Ja, Flipflops halt…” Sie wohne in Hawaii, da ist sie das Gehen in Flipflops gewohnt und ausserdem hat sie schon am Grand Canyon gehaust und die dortigen Bodenunebenheiten erfolgreich erklommen. So besteht ihre gesamte Wanderausruestung – nochmal zusammengefasst - aus einem Paar schoener, lustig hin und her floppender, Gummischlapfen. Irgendwer vom Tourismusbuero muss ihr erzaehlt haben, die Sherpas wuerden den Huegel locker-flockig in Sandalen hochspringen. Eine Jacke braucht sie auch nicht, die wurde ihr von dem ehrlichen Vermittler der Tour versprochen. Und ausserdem hat sie hat auch nur einen Lungenfluegel, aber den weiss sie geschickt einzusetzen. WE-UH WE-UH! Was machen wir mit der Dame, wenn sie sich ihre blaugefrorenen Beine abbricht oder ihr das zweite Flueger'l unter dem Hoehendruck zerknittert wie ein Kaugummipapier'l? Wir beschliessen sie fuer den Fall mal ein Stueckchen mitzuziehen. Nachdem noch einige weitere Freunde des Berges aufgesammelt sind, werden wir gemeinsam in einen Minibus verfrachtet. Der Gaul freut sich, kurz bevor ihm die Nuestern explodieren. Im fast forward Tempo duesen wir den Lombok’schen Strandhighway entlang und unser Fahrer schiesst dem Mittelstreifen entlang wie ein uebermuetiger Dragster-Fahrer. Unbeschadet kommen wir nach 1 1/2 Stunden in Senaru an und checken in unser vereinbartes Hotel ein. Terrasse ist gut, Zimmer und Essen sind fast schon gut, Leute sind gut, Stimmung ist gut,… Subartha stoesst nach kurzer Abwesenheit wieder freudig erregt zu unserer Gruppe und erzaehlt, wie ihr ein hollaendisches Maedel ihr ihr Paar Schuhe fuer den Aufstieg geliehen hat. Muss wohl mit ihrer einnehmenden Persoenlichkeit zu tun haben. Da die Arme so schlecht geruestet ist, geben wir ihr ein paar Handschuhe, eine Muetze, einen Pullover und ein warmes Paar Socken mit auf den Weg. Zumindest koennen wir die Chance vermindern, dass uns die Gute wegfriert. Als Uebersetzerin erweist sie uns ganz gute Dienste. Ihrer Herkunft sei Dank verfuegt sie ueber mal mehr, mal weniger effiziente Indonesisch-Kenntnisse und dient von heute an als unser Sprachrohr zu den locals.


Am fruehen Nachmittag trudeln die ersten Gipfelstuermer bei uns im Hotel ein und schleifen sich aechtzend bis zu dem naechsten Sessel. Das Gestoene und Gewimmer ueber Tod und Verderben nimmt mit jedem Neuankoemmling zu und langsam verkehrt sich unsere Vorfreude in mutlosen Wahnsinn. Irgendwann trifft auch der Tourguru ein, der uns die restliche Zuversicht nimmt. Der Name der Gesellschaft, mit der wir diesen Abenteuerausflug geplant haben, ist uns uebrigens entfallen. Ist wohl irgendwas mit …-Adventure. Jedenfalls gesteht er unserer Truppe, dass die Jacken nicht (oder noch nicht) verfuegbar seien. Und Regenjacken gibt’s sowieso keine – da brauch sich niemand Hoffnungen machen. Anstatt uebrigens von Senaru aus zu starten, besteigen wir den Muggel von Sembalun aus, so dass die Belegschaft wieder puenktlich zum Zuckerfest zuhause ist. Anregungen, Wuensche und Beschwerden koennen in seinen Kummerkasten eingeworfen werden. Der Inhalt wird taeglich geleert und verheizt. Na gut, dann nehmen wir die Planaenderung halt in kauf. Wenigstens haben wir ein Zimmer bekommen, was man nicht von allen behaupten kann. Dem sichtlich erregten argentinischen Paar wird ernsthaft ein tuer- und fensterloser Abstellraum unter den Stiegen angeboten. “Hier, meine Freunde, heute Nacht duerft ihr hausen wie die Trolle!”
Wir hingegen schlafen wie die Babies. Am Morgen vite vite auf die Pickup-Ladeflaeche verladen und nach Sembalun gekarrt. In einer Stunde sind wir da. Beine strecken, Muskeln aktivieren, rauf auf den Geroellhaufen! Wetter gut, Stimmung gut - Wir sind bereit! Wir treffen ploetzlich auf einen Schweizer, der die Tour gestern schon angerissen hat, dessen Freundin aber auf halber Strecke zusammengebrochen ist. Wir sind so was von bereit! Die ersten Stunden fuehren uns durch  Regenwald und rollende Huegel mit huefthohem Gras, waehrend der Pfad mit zahlreichen Kuhpflaettern vermient ist. Nach 2 Stunden Marsch stoppen wir mitten in den Wolken fuer eine 3 stuendige Snackpause. Wer hat diesen Zeitplan bitte aufgestellt? Jedenfalls haben wir Gelegenheit auf unseren Fuehrer und – nicht wirklich zu unserer Ueberraschung – S. zu warten. Als sie dann endlich eintreffen entschuldigt sich unser guide fuer die Verspaetung, laut seinen halb-englischen Angaben verursacht durch die Dame, die er im Schlepptau hat. Sie sagt, in eloquentem Englisch, es sei die Schuld des kleinen Mannes. Eigentlich wollte sie ihn ja decken, aber da wir alle Freunde sind, koenne sie ja offen mit uns sprechen. Er hat naemlich hohes Fieber. Usman hat Fieber. Und er ist unser Fuehrer. Fuer 3 Tage. Auf einem Vulkan. What? Darf ich mal deine Stirn beruehren? Nein, dass mag er nicht. Muss man respektieren. S. springt schnell zu seiner Verteidigung ein und erzaehlt in fachwissenschaftlicher Manier, dass es sich hierbei um das asiatische “In-fever” handelt, dass sich nicht ueber eine heisse Stirn erspueren laesst, sondern an der offenen Unterlippe identifiziert wird. Gut, dass sie dem kleinen Kerl ihren Rucksack aufladet. Die Inkohaerenz zwischen Wort und Tat laesst sich aus weiter Ferne erspueren. Das, zusammen mit ihren weisen Worten ueber Konsumentenverhalten und Tierversuche, die zuckerfreien Lebensmittel in amerikanischen Supermaerkten, das zellulare Gedaechtnis von potentiellen Fleischgerichten und astrologischen Quargel, laesst uns stark an ihrer Glaubwuerdigkeit zweifeln. Wir haetten nach Sydney auch was ueber Shadowpeople und anderen Eso-Schwachsinn einzuwerfen, wollen aber keine allzuhitzige Diskussion entfachen. Und unterhaltsam ist's allemal.
Jetzt nehmen uns die Wolken ganz schoen in den Schwitzkasten. Wir warten hier, bis uns der Regen einholt. Weiter jetzt, die 3 Stunden Herumgehaenge sind vorbei! Der Aufstieg wir anstrengend, die Sicht ist limitiert. Wenigstens versperrt sich so auch die Sicht auf die Muellberge am Wegesrand. Irgendwann am spaeten Nachmittag brechen wir durch die Wolken. Wir haben den Kraterrand erreicht! Und langsam aber stetig verziehen sich die grauen Baeusche aus dem Krater und wir bekommen einen fantastischen Ausblick. Das Nachtlager wird vorbereitet und wie auch schon am Mittag, warten wir noch einige Stunden bis unsere Zweiergespann eintrifft.

Es ist Nacht. Abendessen gibt’s dank Krank und Kraxn erst um 9. Gute Nacht! Bis wir endlich in den Schlaf abdriften, jammern die 3 franzoesischen Maedels von nebenan noch unseren Fuehrer zu. Nicht, aber auch gar nichts, ist zu ihrer Zufriedenheit und Worte sind ungenuegend um ihrem Frust den gebuehrenden Ausdruck zu verleihen. Usman ist fast am Sterben und mit der Situation heillos ueberfordert. S. vermittelt! Gut gemeint, schlecht getroffen. Die 3 Musketierinnen sind hellbound to be unhappy und lassen sich nicht beschwichtigen. Ihr Aerger brodelt wie die heisse Magma unter unseren Aerschen und bricht ueber Usmans Kopf zusammen wie die Vulkanasche des spuckenden Krakataua. Jetzt ist aber mal gut! Wir muessen morgen um 2 Uhr auf und das ist auch genau das, was wir machen. Nach wenigen Stunden schlaf im semi-bequemen Zelt rappeln wir uns in aller Fruehe auf und bewegen unsere schlafgeschwaengerten Schaedel der Spitze entgegen. Etwas ueber 1000 Hoehenmeter sollen es noch sein. Bald wird aber klar, dass das kein Spaziergang wird. In der Vulkanerde schlittert man bei jedem 2ten Schritt zumindest einen zurueck. In minutioeser Sisiphosarbeit hangeln wir uns den Kraterrand nach oben, ein Ende ist in keinem Moment in Sicht. Dies kommt der ganz eigenen Hoellenvision des Authors nahe, auch ohne Schwefeldampf, kochender Lava oder der irren Grete. Oben angekommen zittern wir dem Sonnenaufgang entgegen. Schlussendlich erhebt sich der Feuerball in gemuetlichem Tempo ueber den Horizont hinaus und begruesst all die eifrigen Gemsen.
Nachdem wir die Szene mit offenen Muendern bestaunt haben, steigen wir den rutschigen Pfad langsam wieder hinab und landen im Basecamp. Bei unserer franzoesischen Delegation ist die Laune weiterhin ungetruebt schlecht. Beruhigungsversuche sind zum Scheitern verurteilt. Gluecklicherweise verabschiedet sich die french frown connection Richtung Sembalun, waehrend wir noch weiterziehen. Heute stehen naemlich noch die heissen Quellen und der Kratersee auf dem Programm. Der Weg dorthin ist lang, oder laenger als gedacht. Weil wir weder ein ausreichendes Fruehstueck noch ein Abendessen hatten, brechen wir waehrend dem Marsch fast ein. Am Kratersee angekommen sind wir alle sprachlos ob des Muellberges und ich frage mal bei Usman nach, ob wir nicht bei den unverschmutzten hot springs futtern koennen. Unsere Konversation: "You know Usman, we were thinking about having lunch at the hot springs. What do you think? Wouldn't that be cool?" - "No SIR! Not cool, hot!" - "Are you kidding me? - "No, I'm not kidding you MISTER!" Es folgt ein unschuldiger - weil verstaendnisloser - Blick. So steht er nun vor mir, 1,50m hoch, mit Sneakers Groesse 49, Jeans-shorts, Armyjacke und einem Kaeppi, das mir sagt, er ist unter 18, aber ziemlich hardcore. Und natuerlich futtern wir auf einer schimmligen Plane inmitten der Muellhalde am See. Danach werfen wir uns in die heissen Quellen und lassen uns die geschundenen Glieder waermen, waehrend der eine oder andere von einem der dortig ansaessigen Shrimps in die Backen gebissen wird. Dann folgt eigentlich nur noch der Abstieg. Der ist ganzschoen tricky. Der viele Sand ladet zum Ausrutschen ein und so schmeisst's jeden zumindest einmal auf den Popsch. Fast vollstaendig erreichen wir unser Basecamp vor Einbruch der Dunkelheit. Wer fehlt, ist klar. Wir alle hauen uns erschoepft in die Binsen, bis uns wenige Zeit spaeter Mattheo weckt. Subartha habe sich das Bein verletzt und Hilfe sei jetzt erforderlich. Ja, moeglicherweise sei es sogar gebrochen! Usman sei gerade eben in's Camp gerannt gekommen und habe Meldung erstattet. Das klingt ja furchtbar! Als die Gute allerdings 5 Minuten spaeter bei uns eintrifft und behauptet, sie waere im Treibsand stecken geblieben, beschliessen wir unsere Zeit lieber in unseren Schlafsaecken zu verbringen. Das klingt schon alles etwas zu absonderlich. Am naechsten Morgen ist die Dramaqueen eh auch wieder fit. Wir schaffen den Abstieg ohne weitere Verletzungen und mit einer grossen Ueberraschung: Als wir wiedermal nach Usmans Aufmerksamkeit verlangen, fragt der mal nach, wen wir denn hier eigentlich immer Usman nennen? Sein Name sei naemlich "Pardy". Richtig, passt auch viel besser zum "hardcore"-Kapperl.
Fazit: Anstrengendes Trekking, weitestgehend entlang muellgesaeumter Pfade und mit millionen anderer Wanderwuetiger. Der unbeschreibliche, wenn wolkenlose, Sonnenaufgang ist nicht von dieser Welt. Nachdem wir aber gesehen haben, unter was fuer lausigen Konditionen sich die Fuehrer und Traeger eines Billiganbieters abschinden, muss massiv hinterfragt werden, ob man seinen Beitrag zum Erhalt dieser mafioes anmutenden Organisationen beitragen will, oder nicht doch lieber seinen Pfennig in eine der respektableren Touren investiert, die sich ihres zeichens fuer einen sauberen Rinjani engagieren.  Die Organisation hat bis auf den halbverreckten Fuehrer eigentlich auch gut funktioniert und unsere Gruppe war ein konstanter Quell der Heiterkeit.



Sonnenaufgang von der Terrasse unseres
Hotels in Senaru


That's what all the fuzz is about?

Mt. Rinjani - Terrassenfoto

Erstmal werden wir auf der Ladeflaeche nach Sembalun
gekarrt...

 

... bevor wir uns durch den Dschungel...

... ueber die rollenden Huegel in die Wolken
begeben

Pardy schenkt ein

Ein Sueppchen zur Staerkung



Plastik und Gaskartuschen liegen verstreut am Wegrand

Durch den Regen. Endlich sind wir am Kraterrand angelangt!

In greifbarer Naehe (scheinbar)




Schattenspiele

Unser Wandersfreunde

Die ambitionierte Fotografin Martha


Auch er hat's geschafft, mit 15kg Gepaeck auf der Schulter...
und das Ganze in Flippis - zu krass

Ein groesserer Teil unserer Gruppe




Camp I


Im Schlafsack macht sich Nat
an den Aufstieg


Sunrise, sunrise




Mit einem feinen Blick auf den Kratersee

3726m













Am Kratersee



Blick nach hinten

Blick nach vorn


Der heissen Quellen erfreuen sich reisender Beliebtheit

Camp II

Doch nicht im Treibsand stecken geblieben

Und ploetzlich bricht der Regen ueber uns
herein - wie so oft


Teile unseres Expeditionsteams

Schirm, selbstgepflueckt


Diese Ladeflaeche bringt uns zurueck nach Senaru...

... in unser Hotel

Unsere Schuhe lassen wir fuer die Traeger
zurueck.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen