Mittwoch, 22. Oktober 2014

22.10 - 01.11 Thailand - Bangkok: Hey Miss-ta, du ju häf twenti Baht?!

Von den angenehmen Herbsttemperaturen Japans fliegen wir wieder zurück ins Herz der südostasiatischen Großstadthitze. Da wir spät nachts ankommen, pennen wir erstmal beim Flughafen um`s Eck, weit ausserhalb des Trubels. Die erste Nacht schläft sich überraschend gut. Am Morgen starten wir dann hinein in den Schlund Bangkoks. Bei den günstigen Taxitarifen kann man sich für ganz kleines Geld im Eiskastl bis vor`s Hostel kutschieren lassen. Gesagt, getan. Weil wir auf die Schnelle keinen CS-Host ausfindig machen können, ziehen wir - wie abermilliarden andere Backpacker - in die Nähe der Khaosan Road. Dem uncharmantesten Flecken Bangkok, den wir die nächsten Tage zu Gesicht bekommen. Übervoll ist der heisse Asphalt mit Händlern lustig bedruckter Textilien, Taschen, Schmuck, Souveniers und sonstigen Gadgets die nichtmal dem Gizmoduck einfallen würden. Dazwischen hat`s Fressbuden und Karrenschieber galore. Pad Thai ist in aller Munde! Für 50 Eurocents nicht verwunderlich. Auch ein paar hängengebliebene Europäer, die wohl seit dem letzten Urlaub vor 15 Jahren hier gestrandet sind gibt`s auf den Strassen zu bestaunen. Einer haut uns im breitesten Arni-English an: HEY MISS-TA, DU JU HÄF TWENTI BAHT?!
Und weil hier gleich die ganze Bärenfamilie steppt und es sich in solch einer Gesellschaft meist schlecht schlafen lässt, schleichen wir uns in eine Parallelstrasse, die Soi Rambutri. Die ist zwar nicht weniger touristisch, dafür aber welten gemütlicher und bekommt durch die mit Bäumen gesäumten Strassen ein relaxtes Flair, das die Khaosan  - dieser unhübsche Betonkanal - schwer vermissen lässt. Ist nicht auch der junge DiCaprio damals durch diese Strassen gewandelt? Jedenfalls ist nicht anzunehmen, dass dieser auch im Lamphu guesthouse abgestiegen ist, das eigentlich eh einen moderaten Bang 4 the Buck bietet - also zumindest nicht siffig ist. Bis auf die lautstarken Partyrussen, die uns jede Nacht aus dem Schlaf reissen, gibt`s wirklich nichts zu meckern.
Auffällig ist, dass es so ziemlicher jede(r) Thai in diesem Viertel versteht Geschäfte zu machen. Die Nummern, mit denen den arglosen Touris die locker sitzenden Dollar aus den Taschen gezogen werden, sind ganz süss und leicht durchschaubar. Vor einem Tempel unweit unserer Unterkunft werden wir gleich am ersten Tag von so einem dubiosen Geschäftelmacher angegangen. Erstmal rantasten an die beiden Langnasen: Euer erstes Mal Thailand, Bangkok und Khaosan? Fantastisch! Dann zieht meine Show sicher bei euch. Und ruckizucki stehen 3 seiner Kumpels um uns rum. Da kennt doch glatt einer auch noch einen Tuktukker (ganz ehrlich - welcher Bangkokbewohner hat keinen Bekannten der ein Tuktuk hat?) der uns ganz für umsonst an diesem Lucky Buddha Day zum glücklichsten aller Buddhas fährt. Bedingung ist ein Stop im Reisebüro. Haben wir keinen Bock drauf. Aber zu diesem "seltenen" Buddha kann er uns heute schon führen. Wir wollen eh mal raus aus diesem Viertel. Abgemacht, die Compadres beschliessen unsere Tour und bieten uns aus purem Altruismus eine Gratisfahrt an. Mir kommt vor, dem Chauffeur aus Tuktukkien hat man nichts von dieser Abmachung gesagt. Wurscht - Alles einsteigen, bitte! Und da sitzen wir in der Heimat des Tuktuks und lassen uns der Neugierde halber mal für blöd verkaufen. Wo der uns jetzt wohl hinbringt? Nach 15 Minuten Herumgekurve stehen wir vor einem Tempel. Nicht unbedingt eine Seltenheit hier. Da gibt`s auch einen Buddha. Einen goldigen. Hmm... Wo sind denn die anderen Leute? Irgendwie scheint es hier niemand so ernst mit diesem achsoheiligen Tag zu nehmen. 3 Leute sind hier. Alles Touristen. Alle gekommen um den lucky Buddha zu bewundern. Irgendwie lahm. Als nächstes möchte uns unser TTT (Tuktuktaxler) ins Reisebüro führen. Diesen Spass machen wir dann gerne irgendwann mal mit. Nur nicht heute - wir haben anderes vor. Und abgemacht ist abgemacht. Nach Insistieren seinerseits bieten wir ihm eine Kompensation für seine Mühen an. Die Kröten will er nicht - er muss uns jetzt ins Reisebüro bringen. Sry, cannot! Wir dürfen uns als vertragsbrüchige Verbrecher beschimpfen lassen und bevor er in sein Tuktuk springt, schleudert er uns noch ein nasales FAK NJU! ins Gesicht.
Was treibt man sonst noch so in Bangkok? Mal in erster Linie einen Doctor Dent für Isa Suchen. Wir verbringen die ersten Vormittage nach unserer Ankunft damit, die gefühlsmässig beste Praxis rauszusuchen und legen so zahlreiche Taxikilometer zurück. In dem Zahnarztpraxen-Dschungel den Überblick zu wahren ist nicht ganz einfach. Aber die, die wir besuchen, machen aber allesamt einen kompetenten Eindruck. Auch die vielen australischen Besucher scheinen mit dem Service zufrieden zu sein. Irgendwann schnallen wir, dass wir auf dem Wasserweg durch die Kanäle Bangkoks schneller und günstiger zwischen guesthouse und Doc pendeln können wie zuvor mit dem Taxi. Cool! Nachdem die erste Fahrt noch ganz witzig ist, wird`s mit jedem mal grottiger. Und der Fluss scheint mit jedem Tag mehr zu stinken. Plötzlich spritzt auch immer mehr des aschefarbenen Wassers ins Boot. Vorallem, wenn einer der Fahrgäste darauf vergisst, die Spritzschutz-Jalousie hochzuziehen. Der Ausblick ist aber eindrücklich, führt er doch vorbei an den vom wirtschaftlichen Aufschwung Thailands weniger Profitierenden, die sich wohl mangels Alternativen in der Kloake baden. Um so mehr Zeit wir in der Stadt verbringen, desto kontrastreicher nehmen wir diese und ihre Bewohner war. Alles was in dieser Stadt zu finden ist, gibt es auch im diametralen Gegensatz: Aufstieg und Verfall. Moderne und Tradition. Luxus und Armut.
Es gibt jedenfalls viel zu entdecken: Zahlreiche Wats und den grossen Palast, dass indische und chinesische Viertel, das hochmoderne Zentrum, Rotlichtviertel, Massageschuppen and whatnot. Mehr oder weniger spontan beschliessen wir, noch Myanmar an Thailand dranzuhängen, da Isas Zahnproblematik sich zu bessern verspricht. 2 Anläufe brauchen wir, bis wir einmal früh genug die Botschaft erreichen. Dort treffen wir inmitten der erstaunlichen Masse an nicht-asiatischen Antragstellern auch noch eine Bekannte aus Indonesien wieder. Wie klein die Welt doch ist. Das Burmavisum haben wir in wenigen Tagen in der Tasche. Aber... Naja, irgendwie zieht`s uns jetzt doch eher nach Indien. Also auf zur indischen Botschaft. Die dortigen Bearbeiter fragen nach einem Ausreiseticket, das wir nicht zu buchen gedenken. Darum verklickern wir ihnen, dass wir Indien auf dem Landweg Richtung Nepal verlassen werden, was ja vielleicht garnicht mal so wirklich gelogen ist. Sie haben`s geschluckt, nach Ausfüllen eines speziellen Formulars dürfen wir unsere Pässe zumindest einmal aufgeben. Ob das was wird erfahren wir aber erst in einigen Tagen. Denn mindestens eine Woche Bearbeitungszeit wird veranschlagt. Wie also die Zeit nutzen? Island life is calling! Wir checken uns ein Ticket für Bus/Fähre nach Koh Chang.


Hey Miss-ta, i häf blenti off Baht!

Unser erster Morgen in B.
Wie gemma wohin?

Eine Ikone des privaten Nahverkehrs

Alles ein bisschen dodgy hier

Der lucky Buddha in Person

Auf den Kanälen durch die Stadt





Die Soi Rambutri

Mehrere Tage am Stück überqueren wir diese Brücke
auf dem Weg zum Zahni - ich muss dieses Bild einfach
festhalten


Mit der S-Bahn durch die Stadt. Schnell,
aber nicht gut erschlossen



Mit neuen Friesen




Die Symmetrie einer Verkehrsinsel

Die Wiese vor dem grossen Palast

Für shorties gibt`s bei der Kasse was
langes zum Überwerfen





Man kann sich auch in Details verlieren








Nachts in Chinatown




Rise like a phoenix


Die legendäre MBK mall - wenn du aber was Gescheids
brauchst, dann bist du hier nicht richtig




B. at night

Bang-cock

Die TicketverkäuferInnen balancieren mit unglaublichem
Gefühl und am schmalen Bootsrändchen, während neben
ihnen die Wogen hoch gehen


Kanalimpression 236

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen