"Heiho, zieh die Regenjacke an,
seht der Taifun zieht ueber's Land."
Am morgen vor unserem Ausflug gen Tokio
ist das Wetter, der alte Hund, so unmoeglich wie selten. Da unser Zug
frueh morgens von der Zugstation abfaehrt, stehen wir bereits im
Dunkeln auf und schleppen unsere schlafhungrigen Koerper durch die
Regenwaende des sich ankuendigenden Taifuns. Das ist das erste mal,
dass wir nicht mit dem Radl in die city fahren, aber wir kalkulieren
die Gehzeit genau richtig und so geht sich noch einer konvenienter
Snack im 7/11 aus, bevor wir der Dame am Ticketschalter 2 Tickets
nach Tokio abringen koennen.
Wir treffen Furanshisuka und Masaiasu
nach einem ausgedehnten Regenspaziergang in dem weltweit
bestversteckten Starbucks in irgendeinem Officetower in Shinjuku. In
Tokio haben die Windgeschwindigkeiten angezogen und das Stuermchen
invertiert den einen oder anderen Regenschirm mit einem Plopp,
waehrend die japanische Marry Poppins (so sicherlich zu finden in dem
bizarren Fashion-Labyrinth Harajuku) im Grauschleier des Himmels, dem
unablaessig herabprasselnden Regen und dem Spiegelkabinett der
verglasten Betonobelisken die Orientierung verliert und wie ein
verirrter Habicht durch die Glasfront im 30ten Stock kracht. Tagtraum
oder tokio'sche Realitaet? Bitte den Blaustift nach eigenem
Gutduenken anwenden.
Was tun bei solch einem Sauwetter? Wir
gehen einen heben, in's Steakhouse. Und seit ewigen Zeiten (seit Tana
Toraja, um genau zu sein) unterliegt Manu mal wieder dem
Fleischhunger. Und als der sich ein Wuerst'l einverleibt, stellt sich
nach der Geschmacksexplosion eine andauernde Gaensehaut ein. Waehrend
dieses kulinarischen Ausflugs nehmen wir noch ein paar Promille mit
auf den Weg und ziehen weiter in's Herz von Harajuku, wo sich bei
Regen nicht viel abspielt, was irgendwie verwunderlich wirkt, denn
bei den japanischen Plateauboots ist man bestens vor nassen Sohlen
geschuetzt und dank japanischen nanotech-make-up sollte doch
eigentlich der Regen abperlen wie an einem Lotusblatt?
Der Besuch einer Kunstgallerie ist
so-so. Um Franzi zu zitieren: "Ist das Kunst, oder kann das weg?"
Bizarre, riesenhafte
Blumenarrangements, creepy dolls mit Maulkorb, live gekritzelte
Mangaportraits zum Schnaeppchenpreis und sonstiges im ausgedehnteren
Sinne als Kunst deklarierbare Zeug ist dort zu finden.
Den Rest des Tages verbringen wir in
der arcade und duesen auf unseren heissen Oefen durch Marioworld,
tippen Zombies in die Knie, Bowlen so gut's halt geht – bis auf
Matthias hat's hier keiner so wirklich drauf – und stopfen uns mit
Junk aus dem Konbini voll. Ein typisch japanisches Wochenende halt.
Als es dann dunkel wird verleiben wir uns noch die letzten Ramen des
Tages ein, bevor wir uns trennen. F&M fliegen morgen wieder
retour nach Shanghai, waehrend wir in Taifunien bleiben. Apropos, der
Sturm hat nochmal einen Zahn zugelegt und wir fluechten uns in's
naechstbeste Internetcafe, um dort die Nacht, ganz im Stil der
japanischen Jugend, in einem schmucklosen, quadratischen und mit
einem Computer und Internetanschluss versehenen Zimmer mit
Mattenboden auszuharren. Kissen gibt's nicht und Decken kosten extra.
Fuer 3600 Yen fuer 2 Personen und jeder Menge zusaetzlich zu
bezahlender Services ist das kein Schnaeppchen mehr.
Von dem moribunden Lueftchen bekommen
wir in unserer Kellerzelle nichts mit und am naechsten Morgen
erlischt er dann komplett und nichts erinnert mehr an die
luftig-feuchten Regenpeitschen von gestern. Weil uns Maya, die gerade
ihre Familie in Tokyo besucht, angeboten hat, uns wieder mit gen
Tsuru zu nehmen, strudeln wir noch ausgelassen einen Tag durch die
Ecken Tokyos, die wir bisher nicht erkunden konnten. Irgendwann
abends treffen wir uns beim Parco, wo Maya den NPO Schlitten
ge-"parkoed" hat und duesen auf dem highway mit hoechst
zulaessigen 100km/h wieder zurueck in die Provinz. Es ist dunkel, als
wir im Wald ankommen.... Und auch ruhig. Schoen wieder hier zu sein.
| Der Morgen beginnt mit nassen Schuhen - ein guter Start in den Tag |
| Ist die Kunst oder kann die weg? |
| Zwischen den Gallerien in Harajukus art-freiem arthouse |
| Italien plumber pro racing team |
| Franzi ist da ziemlich reingekippt |
| Stirb Untoter, stirb! |
| Stirb Kegel, stirb! |
| In unserer Box im Keller |
| Charmant |
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