Sonntag, 21. September 2014

21.09-24.09 Japan - Miura und Umgebung: Domo Arigatou, Mr. アナル-Roboto!

Wir haben noch im Kopf, dass Japan teuer sein soll. Mitunter, aber nicht ausschliesslich deshalb versuchen wir eine freie Couch auf Couchsurfing zu finden. Nicht ganz so einfach. Die JapanerInnen lassen sich viel Zeit mit ihrer Antwort (wenn sie denn antworten). Und nach zahlreichen Absagen und unbehandelten Anfragen bekommen wir je eine Zusage aus Tokyo Umeishima und Miura, am suedlichsten Zipfel der Tokyo-Halbinsel. Laut Plan koennten wir erste Nacht nach Ankunft bei Yoshiko in Ueno pennen, um dann Tags darauf die Reise in den Sueden zu Sayuri anzutreten.
Als wir planmaessig in Tokyo Haneda eintreffen, ist's schon knapp nach 22:00 Uhr und bis wir uns gesammelt haben, faehrt uns der letzte Zug nach Umeishima vor der Nase weg. Bis Ueno koennen wir laut der Dame an der Information noch kommen, von da an wird aber ein Taxi notwendig. Was das denn so kosten wuerde, moechten wir wissen? 3...0... und noch ne 0... Dollar, meint die Gute. Ob sie sich jetzt um eine Null vertan hat oder nicht, spielt eh keine Rolle. Wir schlagen unsere Zelte am Flughafen auf. Es gibt aussreichend Liegemoeglichkeit, Duschen und pipifeine Toiletten mit allzeitbereiten Roboterdienern. Die Euphorie ueber die japanische Klokultur nimmt hier ihren Anfang. Bis man die zahlreichen verheisserischen Programme am Bedienerpult durchschaut hat braucht man ein Weilchen. Aber eigentlich ist's egal welchen Knopf man drueckt, beinahe jede einzelne der vielen "nachbehandelnden" Funktionen sind ein wahrer Anus-Genuss. Zum Klofuehrerschein wird aber dennoch geraten, denn die Intensitaet des Wasserstrahls laesst sich auch versehentlich auf Turbostufe stellen und hebt einen aus dem Hauesschen. Eine Zweihandverriegelung und Kindersicherung waeren da eigentlich schon angebracht.
Nachdem wir bettfertig sind schmeissen wir uns auf die freien Stuehle und werden von der japanischen Fahrstuhlstimme, die uns die immergleichen Stockwerksansage im 10 Sekundeninterval in's Ohr traellert, in den Schlaf gesungen.
Morgenstund hat Udon im Mund. Schnell sind wir morgens fuer die Weiterfahrt nach Misakiguchi vorbereitet, speisen noch guenstige Flughafennudeln, checken uns in Windeseile noch eine schweineteure SIM-Karte und einen Adapter und kommen nach ueber einer Stunde Zugfahrt an der Endstation an... und warten anschliessend ueber 4 Stunden auf Sayuri, die weder auf Textnachrichten noch Anrufe reagiert. Die Dame spricht leider nur wenige Worte Englisch, aber wir koennen soviel verstehen, dass sie heute mit der Familie im Onsen war. Ja echt, oder?
Sie chauffiert uns in ihren kleinen Palast unweit der Zugstation und wir begruessen ihren Mann, den verrueckten und schreckhaften Bolonka Klaeffer Kuroro und spaeter auch noch ihre beiden kids. Ausser Sayuri weiss aber niemand so recht was mit uns anzufangen. Der Herr des Hauses versucht sich mal in Konversation und so lernen wir ein paar japanische Woerter (auch Essentielles wie konsento, bedeutet: Steckdose) und eigentlich ist die Stimmung auch ganz gut, nur dem Juengsten der Gruppe stehen die eben gesprossenen Schnauzbarthaare beim Anblick der zwei Langnasen zu Berge. Vermutlich hat er schon geahnt was ihm schwant. Eigentlich tut er uns ja wirklich leid, denn er muss uns die folgenden Tage bei all unseren Exkursionen begleiten. Diese fuehren uns an den suedlichsten Punkt der Halbinsel an's Meer bei Jogashima, zur US Navybasis in Yokosuka und nach Kamakura zum Daibutso. Naja, zumindest wir haben unseren Spass.
Sayuri ist aeusserst bemueht und bereitet uns jeden Morgen leckeres japanisches Fruehstueck und Abendessen und als wir fuer die Familie selbstgemacht Tortillas kredenzen hauen alle maechtig rein. Wir versuchen weiterhin uns fuer die Hospitalitaet zu revanchieren. Nach allem was man so ueber japanische  und Manieren (und da ist das Lob fast grenzenlos) hoert sind wir einigermassen verwundert, als der mitgebrachte Alkohol sofort vom Hausherr gekoepft und kommentarlos ihm selbst eingegossen wird, genauso wie die Schokolade umgehend und ohne den Umsitzenden etwas anzubieten angebrochen, verkoestigt und wieder verraeumt wird. Komisch ist das.
Auch wenn Sayuri herzallerliebst und sich sehr um unser Wohlergehen kuemmert, so haben wir trotzdem leichte Integrationsschwierigkeiten. Der Rest der Familie laesst uns unseren Alienstatus spueren und das fuehlt sich richtig merkwuerdig an. Auch die Tochter, die Englisch spricht, mag nicht 1 Wort mit uns reden und all unsere Versuche einer Konversation werden mit einem schuechternen Laecheln quittiert und verbleiben ohne Antwort. Gemampft wird stehts vor laufender Flimmerkiste und jeder kommt und geht wie er will.
Man macht sich ja zwangslaeufig Gedanken und versucht's mit reasoning. Gruende warum keiner mit uns spricht koennten ja zum Beispiel an den mangelnden Englischkenntnissen liegen, da die Japaner angeblich darauf bedacht sind, stets unauffaellig, hoefflich und zuvorkommend zu agieren. Vielleicht moechten sie uns einfach nur nicht mit irgendwelchen halbfertigen, dahergestammelten Saetzen belaestigen? Wer weiss? Der einzige, der uns eindeutig zeigt, was er von dieser ganzen Situation haellt, ist der Stoppel. Der findet's offensichtlich richtig scheisse.
Auch wenn sich das schon fast ein wenig negativ anhoert, so ist unser Aufenthalt hier eine gute Erfahrung, die den ersten sanften Kulturschock herbeifuehrt und uns bestaetigt: Japan ist anders.


Oyasuminasai!

Zuege in Japan: Puenktlich, sauber und ruhig.

Wir lassen das Haeussermeer an Tokyos Randsiedlungen
an uns vorueberziehn

An der Zugendstation in Misakiguchi


Kuroro


Sayuri mit Hund



Jogashima mit Blick auf den Pazifik





Andenken aus der Fotobox

Kein Fehler auf der Rechnung, echt?

Flottendemo in Yokosuka

Amigos, tomamos tortillas! 

Unsere liebe (wenn auch von uns oft missverstandene)
Gastfamilie

On the way to Kamakura. Der dicke Buddha wartet
schon!

Andrang am chozuya fuer die rituelle
Reinigung

Ein Reiskorn fuer dich... und eines fuer dich...



Teste dein Glueck und ziehe ein Staebchen
aus der Box des omikuji Orakels

Eine gute Basis fuer seinen persoenlichen
5-Jahresplan

Der tsurugaoka hachimangu

Koennt's nicht bitte gehen?


Ordnung am Bahnsteig muss sein. 3-spuriges Einreihsystem
made in Japan


Kamakura, typisch japanisch. Mit Strom- und
Telefonleitung en masse, schmucklosen Kartonhaeusern
und quadratischen Autos

Der Amida-Buddha

Die Plastikgerichte unterscheiden
sich eigentlich eh kaum von dem Essen
aus dem Konbini

Was fuer eine Ueberraschung! Isa bekommt
von Sayuri zum Geburtstag diese huebsche
Tuch geschenkt. Wie gesagt, sie ist wirklich
suess


Kastenkarre

Okonmiyaki

Zuletzt sind wir ja doch noch Freunde geworden

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen