Dienstag, 12. August 2014

12.08-20.08: Sulawesi -Tana Toraja: Schlachtpartie

Der Bus ist sofatastic. Nach 9 Stunden Fahrt entlang des schmalen, dahinmaeandernden Sulawesi-Highway gelangen wir nach Rantepao. Auf dem Weg dorthin schiessen wir nur einen Mopedler ab. Nicht die schlechteste Bilanz, wenn man den Fahrstil beachtet. Jedenfalls gibt's keine Verletzte.
In Rantepao angekommen, verabschieden wir uns von den 2 Maedels und checken in's Pison ein, weil Pia's Mohnfeld schon voll ist. Den superior-room fuer 300k Kroeten bekommen wir fuer "lausige" 200k Rupien. Mit TV, falls es mal Hunde und Katzen regnet. Fuer morgen wollen wir zu einer der legendaeren Beerdigungszeremonien. Die beiden hollaendischen Maedels, die wir auf unserer kurzen "Kreuzfahrt" kennengelernt haben, empfehlen uns noch ihren Fuehrer Hendrik. Einen Sulawesier mit hollaendischen Wurzeln. Nach kurzem Gespraech stellt sich heraus, dass der schnoeselhafte Siegbert nur upper-class Klientel durch die Umgebung fuehrt. Seine Preisvorstellung (45 Euronen pro Nase) ist ueppig, aber da der Preis von der Gruppengroesse abhaengt, wollen wir zuerst mal ein paar andere Personen zu einer gemeinsamen Tour ueberreden. Am naechsten Morgen rekrutieren wir die Leute vom Fruehstueckstisch weg. Stewart und seine Freundin Beryll sowie Manard und Marga sind schnell ueberzeugt. Bis wir in die Gaenge kommen, muessen wir erstmal das durch unsere Gruppengroesse bedingte Traegheitsmoment ueberwinden. Es dauert ein Weilchen. Hendrik scheint gekraenkt zu sein, dass wir gestern nicht sofort mit ihm ins Boot gestiegen sind und verweigert uns seine Dienste fuer heute. Lieber behaelt er seine uebersteigerte Selbstachtung. Eh gut, unser neuer guide bringt uns fuer nur 500k IDR (geteilt durch 6) zu einer Zeremonie unweit der Stadt. Den Roller fuer den Transport mieten wir selbst. Es folgen Regen und rutschige Forststrassen. Beryll und Stewart stellt's oefter mal auf. Spaet, aber mehr als frueh genug, kommen wir an. Ziemlich pompoes das Ganze. Auch viele europaeische Touristen sind unter der Festgemeinschaft. Mehr als 10 Bueffel grasen derweil noch entspannt im Mittelpunkt der Schlachtpartie vor sich hin und geniessen die letzten Streicheleinheiten. Vor unserer Loge liegt ein ganzer, abgetrennter Bueffelkopf, dem niemand Beachtung schenkt. Das verspricht ein grausames Spektakel zu werden. 
Und ploetzlich wird der grosse Wendepunkt eingelaeutet. Die Viecher sind zum Schlachten frei gegeben. Von nun ab wird ein Bueffel nach dem anderen vor dem schaulustigen Publikum massakriert. Dem ersten Bueffel wird von dem dolchtragenden Henker noch durch einen akkurat platzierten und sauber ausgefuehrten Schwung die Kehle aufgeschlitzt, so dass dieser ohne viel Geraeusch und Gezappel im Stehen ausblutet. Den anderen aber ist nicht soviel Glueck bescheert. Womoeglich verleibt sich der Sensenmann nach jedem kill ein Schlueckchen Arak ein, denn die Praezision der Todesstoesse laesst immer weiter nach. Die Schludrigkeit fuehrt dazu, dass auf ein und den selben Bueffel mehrere Hiebe niederbrausen, waehrend im nach jedem halbverfehlten Treffer ein groesser Schnitt in die Kehle gehackt wird. Langsam und unter roechelndem Atemversuchen, versucht sich Bueffel aus der Schlinge, die ihm um die Beine gelegt wurden, zu loesen, waehrend der Himbeersaft fontaenenartig aus der klaffenden Wunde spritzt, einem uebergrossen Zerstaeuber gleich, befuellt mit Bloody Mary.
Das einheimische Publikum jauchzt vor Begeisterung und der Applaus schwillt immer weiter an, bis sich schlussendlich der Schliessmuskel entspannt. Blut, Fliegen, Kamerablitzlichter und Gestank. Kindergeschrei. Dem kleinen Jungen Lieblingsreh wird die Kehle durchtrennt. Beryll stroemen die Traenen uebers Gesicht und Isa hat der Zeremonie laengst den Ruecken zugekehrt. Was fuer eine Horrorshow. Manard bewahrt die Fassung und sagt, in eher trockenem Ton, in seiner Heimat werde das, was wir hier gerade mit Ekel bestaunen, mit Menschen gemacht. Manard ist aus dem Irak.
Neben all dem Blut und Gedaerm werden wir von unserem erstaunlich guten Fuehrer ueber die regionalen Traditionen und die Oekonomie des Todes belehrt. Darueber, wie extrem teuer doch die Bueffel sind. Dass ein Albinobueffel unerschwinglich ist. Und ueberhaupt, das dass Sterben in TT generell teurer ist, als wie das Leben.
Auf dem Rueckweg besucht Manu mit Beryll und Steward noch das Toraja Festival und schneit Abends nochmal zusammen mit Isa vorbei. Zu tun, sehen und hoeren gibt's javanesische Floetentrance-Musik und eine gratis Kaffeeverkoestigung. Genau das richtige auf den flauen Magen.
Tags darauf besichtigen wir den lokalen Markt in Rantepao, in dem zahlreiches Vieh zum Verkauf steht. Anschliessend duest unsere 6er-Gruppe auf ihren heissen Oefen in den Sueden. Wir haetten wirklich das Potential fuer eine Motorradgang. Eine Touri-Mopedgang.Unser erstes Ziel ist Kambira. Dort sind die Babygraeber in den Baum geschnitzt. Leichte Kost, neben dem Schauspiel von gestern. Auf dem Weg nach Kambira verlieren wir Manard und Marga und fahren zum falschen Grab. Aber, hier gibt's keine Touristen. Und das Dschungelsetting ist auch schoen. 30k Rupien zahlen wir und duerfen einen Baum bestaunen. Die hineingeschnitzten Kammern sind nicht zu sehen, weil wieder verwachsen. Einige Zeit spaeter kommen wir tatsaechlich noch in Kambira an und Stewart blecht als einziger die 2 Dollar Eintritt zu einem weiteren babygrave. 3 Minuten spaeter kommt er enttaeuscht zurueck und meldet: "I could have easily spent the 2 dollars on beer but babygraves are my tipple." 
Was folgt ist die Besichtung von weiteren Saergen, Totenkoepfen, Tau-Tau-Puppen in Tampangallo und Lemo, bevor wir tags darauf dem Trubel Rantepaos entfliehen und zu Mama Yos nach Batutumonga in windige Hoehen (2000m) ziehen. Das Abendessen dort ist fuerchtig und Manu lasst sich frueh morgens nochmal das gesamte Menue durch den Kopf gehen. Schlechter wird's nimmer! Zum Brechdurchfall gesellt sich auch noch Fieber hinzu. Wir nehmen also die naechste Bemo zurueck nach Rantepao. In einem halbverwesten Truck schippern wir die schlagloch verseuchte Piste hinab. Rantepao, Bemostation. Manu vergisst seine Gitarre im Trucktaxi. Und da faehrt es ab. Nach 5-10 Minuten Suche ist er komplett im Sand und setzt sich an sein angestammtes Plaetzchen am staubigen Strassenrand. Isa versucht ihr Glueck und kommt mit leeren Haenden zurueck. Nach kurzem Beratschlagen macht sie sich nochmal auf die Socken und taucht nach 15 Minuten mit der Gitti in der Hand wieder auf. Jippeee! Next stop - safety stop! Spital. Umzingelung durch 6 Krankenschwestern. Der Bule wird erstmal anstaendig ausgelacht. Ploetzlich tritt auch noch so ein dahergelaufener Spinner auf den Plan, der sich einen schnellen Dollar als Uebersetzer verdienen will. Das er kein Wort englisch spricht, ist ihm "wurscht". Er verfolgt Isa zur Aufnahmestelle, wo sie die notwendigen Formulare mit Hilfe des Handyuebersetzers entziffert, da er so extrem nutzlos ist. Hauptsache, fuer seine Dienste spaeter noch die Hand aufhalten.
Untersuchung. Blutprobe. Darmgrippe. Dazu gibt's einen Sack voller Medikamente und die folgenden Tage Schonkost. Noch einmal nasi telur, ayam oder kecap und mir platzt der Kopf! Wir checken wieder in's Pison ein. In's Deluxe-Zimmer, mit Deluxe-Pilz. Schlaf. Isa kuemmert sich derweil um alles Organisatorische, wenn sie nicht grad ihm Pflegestatus ist. Die Flugbuchung nach Manado arrangiert sie mit einem Lionair Buero vor Ort. Beinahe schreibt der Kerl unsere jeweiligen Geburtsort anstelle des Nachnamens. Emanuel Bregenz. Wie klingend!
Stew und Beryll sind am naechsten morgen auch wieder da. B. hat die selbe Krankheit, wenn auch nicht so streng. Nach ein paar Naechten geht's auch Manu wieder besser, der Rezeptionist bringt nach Gebaerschwierigkeiten die Zimmerrechnung auf die Welt und wir nehmen den Bintang Prima nach Makassar, wo wir im flughafennahen Hotel Kanaka Giana einchecken, wo sich gerade ein Paar fuer ein Schaeferstuendchen in unserem Zimmer eingefunden hat. Das Taxi fuer den naechsten morgen hat die Rezeption natuerlich auch verpennt. Naja, Abflug!





Ein abgesaebelter Bueffelkopf gehoert hier
zum Tagesgeschaeft



"So gross war der... Saebel!" meint Manard


Die Angst des Bueffels ist wohl gerechtfertigt


Hier liegt der Leichenschmaus


Smoking kills


Zu lange heben wir's dort nicht aus. Ueber allem
schwebt noch der Geruch von Bueffelblut. Zusammen
mit der schrillen Lichtershow und der Floetentrancemusik
ist das halt einfach zu viel.




Dieses zarte Stoeckchen ist die Bueffelwegfahrsperre



Kaffee am Markt

Der rote Baron

babygraves...

...are my tipple

Ueberall wird immer fleissg marschiert

Tau-Tau-Puppen in Tampangallo



Bei Lemo






Die Hauseigene Kaffeeroesterei des Pison
ist gleichzeitig auch das Beste an dem Loch

Das Wenden der Bohnen erfolgt durch dieses
suesse Wasserrad

Blick von Batutumonga

Tempe nicht zu empfehlen



Deluxepilz im Deluxezimmer

Sympatisch

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